Gain vs. Volume: Was ist der Unterschied?

Bedienfeld eines Gitarrenverstärkers mit Volume-, Bass-, Middle-, Treble- und Gain-Reglern.
Frontpanel Marshall JVM 410H Crunch-Channel

Gain macht laut, Volume macht laut. Warum braucht ein Gitarrenverstärker dann überhaupt zwei Regler?

Auf den ersten Blick scheinen beide dasselbe zu tun, sie beeinflussen die Lautstärke. In der Praxis erfüllen sie jedoch unterschiedliche Aufgaben und genau dieser Unterschied ist wichtig, wenn du deinen Gitarrensound gezielt einstellen möchtest.

Inhaltsverzeichnis:

Wie ist ein Gitarrenverstärker aufgebaut?

Was machen der Gain-Regler und Volume-Regler?

Ein einfaches Bild dazu

Hörbeispiele

Besonderheiten bei Röhrenverstärkern

Fazit

Wie ist ein Gitarrenverstärker aufgebaut?

Gitarrenverstärker verschiedenster Hersteller sind meistens sehr ähnlich aufgebaut und haben mehrere Regler zum Einstellen des Sounds auf ihrem Bedienpanel:

Gain – Treble – Middle – Bass – Volume

Bevor du dich mit Bass, Mitten und Höhen beschäftigst, solltest du zuerst verstehen, wie Gain und Volume zusammenarbeiten. Denn diese beiden Regler bestimmen die Grundlage deines Sounds.

Beide Begriffe hängen eng zusammen, weil beide den Pegel des Gitarrensignals beeinflussen. Trotzdem tun sie das an unterschiedlichen Stellen im Verstärker – und genau deshalb wirken sie sich auch unterschiedlich auf den Klang aus.

Signalfluss eines Gitarrenverstärkers von der Gitarre über Gain, Klangregelung und Volume zum Lautsprecher

Was machen der Gain-Regler und Volume-Regler?

Ein Gitarrenverstärker besteht vereinfacht gesagt aus zwei wichtigen Stationen: Vorstufe und Endstufe.

In der Vorstufe wird das schwache Eingangssignal der Gitarre zuerst verstärkt und klanglich geformt. Genau hier arbeitet der Gain-Regler. Er bestimmt, wie stark das Gitarrensignal in die Vorstufe hineingeschickt wird.
Mit wenig Gain bleibt das Signal sauber und dynamisch.
Mit mehr Gain wird die Vorstufe stärker angesteuert – das Signal beginnt zu sättigen und zu verzerren.

Der Volume-Regler legt fest, mit welchem Pegel das bereits geformte Signal weitergegeben wird.
Er verändert also in erster Linie die Lautstärke, nicht den grundsätzlichen Charakter des Sounds. Je nach Verstärker kann dieser Regler auch Channel-Volume, Output oder Level heißen.

Ein einfaches Bild dazu

Wenn du dir das ganze bildlich vorstellen möchtest:

Stell dir vor, du backst einen Kuchen, dann bestimmt Gain das Rezept. Wenig Gain bedeutet einen einfachen Teig. Mit zunehmendem Gain kommen dann immer mehr Gewürze hinzu und der Geschmack wird intensiver. Genau so verändert Gain den Charakter deines Gitarrensignals.

Volume entscheidet anschließend nur noch darüber, wie groß oder klein der Kuchen werden soll. Das Rezept bleibt dabei unverändert.

Hörbeispiele

Soundbeispiele:

Alle Beispiele sind mit der Blackstar St. James Plugin Suite eingespielt. Graues Modell (EL34) in Kanal 2 mit aktiviertem SAG-Schalter. Ohne PRE-FX, ohne Post-FX, nur Amp und Cab.

Blackstar St. James EL34 Plugin mit Amp- und Cab-Sektion für die Hörbeispiele zu Gain und Volume.

Beispiele 1-4: Volume bleibt gleich, es ändert sich nur Gain

Beispiel 1: Gain auf 2

Beispiel 2: Gain auf 4

Beispiel 3: Gain auf 7

Beispiel 4: Gain auf 10

Achte darauf, wie das cleane Signal (Beispiel 1) aufbricht (Beispiel 2) und weiter verzerrt (Beispiel 3). Im vierten Beispiel klingt es nicht unbedingt verzerrter, als im dritten Beispiel, aber die Kompression hat stark zugelegt, der Klang wirkt viel dichter.

Beispiele 5-8: Gain bleibt fix auf 6, nun ändern wir nur Volume

Beispiel 5: Volume auf 2

Beispiel 6: Volume auf 4

Beispiel 7: Volume auf 7

Beispiel 8: Volume auf 10

Der Grundsound und Zerrgrad bleibt in allen Beispielen gleich, aber die Lautstärke ändert sich deutlich.

Du hörst also: Gain formt den Zerrgrad, Volume die Lautstärke.

Besonderheiten bei Röhrenverstärkern

Der Vollständigkeit halber soll nicht unerwähnt bleiben, dass Röhrenverstärker bei diesem Thema eine Sonderrolle einnehmen. Hier ist die Trennung zwischen Gain und Volume in der Praxis nicht immer völlig eindeutig.

Wird ein Röhrenamp sehr laut gespielt, kann nicht nur die Vorstufe, sondern auch die Endstufe in die Sättigung geraten. Dadurch verändert sich der Klang zusätzlich: Er wirkt oft dichter, weicher und leicht komprimiert.

Deshalb reagiert ein laut gespielter Röhrenverstärker anders als ein Setup, bei dem lediglich der Ausgangspegel nach der Klangformung erhöht wird. Gute Amp-Simulationen können dieses Verhalten allerdings gezielt nachbilden.

Fazit

Gain und Volume beeinflussen beide den Pegel, aber an unterschiedlichen Stellen des Verstärkers. Gain bestimmt, wie stark die Vorstufe angesteuert wird und beeinflusst dadurch Verzerrung, Kompression und Dynamik. Volume regelt anschließend, wie laut das bereits geformte Signal weitergegeben wird.

Für einen kontrollierten Gitarrensound stellst du deshalb zuerst mit Gain den gewünschten Zerrgrad ein. Anschließend passt du mit Volume die Lautstärke des Kanals an.

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