Gitarre aufnehmen – Schritt für Schritt zum ersten guten Sound

Du möchtest deine Gitarre aufnehmen, deine Ideen festhalten oder einen vollständigen Gitarrensound am Computer erzeugen – weißt aber nicht genau, wie Gitarre, Audio Interface, DAW und Amp-Simulation zusammenspielen?

Dann bist du hier richtig.

Eine E-Gitarre zuhause aufzunehmen ist heute deutlich einfacher, als es auf den ersten Blick wirkt. Du brauchst weder einen schallisolierten Aufnahmeraum noch einen großen Gitarrenverstärker. Für den Einstieg reichen häufig eine Gitarre, ein Audio Interface, ein Computer, eine DAW und ein geeignetes Gitarren-Plugin.

Entscheidend ist nicht, möglichst viel Equipment zu besitzen. Entscheidend ist, den Signalweg zu verstehen und einen Workflow aufzubauen, der zuverlässig funktioniert.

In diesem Leitfaden lernst du Schritt für Schritt, wie du deine E-Gitarre am Computer aufnimmst, welche Möglichkeiten es gibt und welche Fehler du von Anfang an vermeiden solltest.

Inhaltsverzeichnis:

Welche Möglichkeiten gibt es, eine Gitarre aufzunehmen?

Was brauchst du, um eine E-Gitarre am Computer aufzunehmen?

Der Signalweg einer Gitarrenaufnahme

E-Gitarre Schritt für Schritt aufnehmen

Das trockene DI-Signal aufnehmen

Mono oder Stereo bei Gitarrenaufnahmen?

Latenz beim Spielen mit Amp-Simulationen

Einen guten Gitarrensound einstellen

Gitarre doppeln statt kopieren

Einen echten Gitarrenverstärker aufnehmen

Häufige Fehler beim Gitarren aufnehmen

Ein einfacher Workflow für Gitarrenaufnahmen

Was ist besser: echter Amp oder Amp-Simulation

Dein nächster Schritt

Häufige Fragen zum Gitarre aufnehmen

Welche Möglichkeiten gibt es, eine Gitarre aufzunehmen?

Wenn du eine Gitarre aufnehmen möchtest, stehen dir unterschiedliche Methoden zur Verfügung.

Welche Lösung sinnvoll ist, hängt davon ab, welches Equipment du besitzt, wie laut du aufnehmen kannst und welchen Klang du erreichen möchtest.

E-Gitarre direkt über ein Audio Interface aufnehmen

Für viele Einsteiger ist dies der einfachste und flexibelste Weg.

Die Gitarre wird mit einem normalen Instrumentenkabel an den Instrumenteneingang eines Audio Interfaces angeschlossen. Von dort gelangt das trockene Gitarrensignal in die DAW.

Innerhalb der DAW übernimmt eine Amp-Simulation die Aufgabe eines Gitarrenverstärkers, einer Lautsprecherbox und häufig auch mehrerer Effekte.

Der typische Signalweg lautet:

E-Gitarre → Audio Interface → Computer → DAW → Amp-Simulation → Kopfhörer oder Studiomonitore

Diese Methode ist leise, flexibel und benötigt nur wenig Platz. Außerdem kannst du den Gitarrensound später verändern, ohne die Spur neu einspielen zu müssen.

Gitarrenverstärker mit Mikrofon aufnehmen

Bei der klassischen Methode wird ein Mikrofon vor dem Lautsprecher eines Gitarrenverstärkers positioniert.

Der Signalweg lautet:

E-Gitarre → Gitarrenverstärker → Lautsprecher → Mikrofon → Audio Interface → DAW

Diese Methode kann sehr authentisch und unmittelbar klingen. Sie stellt aber höhere Anforderungen an Lautstärke, Raum, Mikrofonposition und Aufnahmepegel.

Bereits wenige Zentimeter Veränderung bei der Mikrofonposition können den Klang deutlich beeinflussen.

Für Einsteiger ist die Aufnahme mit einem echten Verstärker deshalb nicht zwingend schlechter, aber meist aufwendiger.

Gitarrenverstärker über einen Line- oder Recording-Ausgang aufnehmen

Einige Verstärker besitzen einen Line-Ausgang, USB-Anschluss oder einen speziell bezeichneten Recording-Ausgang.

Darüber kann das Signal direkt an ein Audio Interface oder den Computer übertragen werden. Manche Geräte enthalten bereits eine Lautsprecher- oder Mikrofonsimulation.

Wichtig ist, genau zu prüfen, welches Signal der Ausgang liefert. Ein normaler Lautsprecherausgang darf niemals ohne geeignete Lastbox oder entsprechende Technik direkt mit einem Audio Interface verbunden werden, da es ansonsten zu Schäden am Verstärker kommen kann.

Multieffektgerät oder Amp-Modeler aufnehmen

Geräte wie Amp-Modeler und Multieffektgeräte erzeugen den vollständigen Gitarrensound bereits innerhalb der Hardware.

Der Signalweg kann beispielsweise so aussehen:

E-Gitarre → Amp-Modeler → Audio Interface oder USB → DAW

Viele Geräte übertragen ein fertig bearbeitetes Stereosignal. Einige können zusätzlich ein trockenes DI-Signal aufnehmen.

Diese Methode ist besonders praktisch, wenn du deinen Sound bereits im Gerät eingestellt hast und ihn direkt aufnehmen möchtest.

Was brauchst du, um eine E-Gitarre am Computer aufzunehmen?

Um zuhause eine Gitarre aufzunehmen, benötigst du nur wenige Komponenten

E-Gitarre und Instrumentenkabel

Die Gitarre wird mit einem normalen 6,3 mm-Instrumentenkabel verbunden.

Das Kabel sollte zuverlässig funktionieren und ausreichend lang sein, damit du dich beim Spielen frei bewegen kannst. Besonders teure Kabel sind für den Einstieg nicht notwendig.

Ein defektes oder schlecht abgeschirmtes Kabel kann allerdings Rauschen, Knacken oder Signalausfälle verursachen.

Audio Interface mit Instrumenteneingang

Das Audio Interface verbindet die Gitarre mit dem Computer. Für viele Anfänger ist ein Audio Interface der einfachste Weg, um eine Gitarre aufzunehmen, ohne einen echten Verstärker mikrofonieren zu müssen.

Für eine E-Gitarre mit passiven Tonabnehmern sollte der verwendete Eingang auf Instrument, Inst oder Hi-Z gestellt werden können. Dadurch wird der Eingang an das elektrische Signal der Gitarre angepasst.

Wird stattdessen ein normaler Line-Eingang verwendet, kann das Gitarrensignal dünn, leise oder klanglich unpassend wirken.

Einsteiger benötigen nicht automatisch ein Interface mit vielen Eingängen. Für eine einzelne Gitarre reicht häufig bereits ein Modell mit einem oder zwei Eingängen.

Computer

Der Computer verarbeitet und speichert die Aufnahme.

Für eine einzelne Gitarrenspur mit Amp-Simulation reicht häufig ein vorhandener moderner Laptop oder Desktop-Computer. Erst viele gleichzeitig aktive Plugins, virtuelle Instrumente und umfangreiche Projekte erhöhen die Anforderungen deutlich.

Wichtig sind:

  • eine stabil laufende DAW
  • passende Audio-Treiber
  • ausreichend freier Speicherplatz
  • ein zuverlässiger USB-Anschluss
  • eine sinnvoll eingestellte Buffer Size

DAW

Die Digital Audio Workstation ist die Aufnahmesoftware.

Dort legst du eine Audiospur an, wählst den richtigen Eingang und startest die Aufnahme. Außerdem lädst du innerhalb der Spur dein Gitarren-Plugin.

Geeignete DAWs sind beispielsweise Cubase, Logic Pro, Reaper, Studio One, Ableton Live oder GarageBand.

Der grundlegende Aufnahmevorgang ist in allen Programmen ähnlich.

Amp-Simulationen oder Gitarren-Plugin

Das direkte Signal einer E-Gitarre klingt zunächst sehr trocken und ungewohnt. Es enthält noch nicht den Klang eines Gitarrenverstärkers und einer Lautsprecherbox.

Eine Amp-Simulation bildet diese Bestandteile digital nach.

Viele Gitarren-Plugins enthalten:

  • Vorstufe
  • Endstufe
  • Klangregelung
  • Lautsprecherbox
  • virtuelle Mikrofone
  • Hall und Delay
  • weitere Gitarreneffekte

Für den Einstieg reicht ein einzelnes gutes Plugin vollkommen aus. Du musst nicht sofort mehrere Amp-Simulationen kaufen. Bei vielen Audio Interfaces ist zudem ein Softwarepaket dabei, das häufig auch ein Verstärker-Plugin beinhaltet.

Kopfhörer oder Studiomonitore

Während der Aufnahme musst du das bearbeitete Gitarrensignal hören können.

Kopfhörer sind besonders praktisch, weil du unabhängig von Raum und Tageszeit arbeiten kannst. Außerdem gelangt kein Lautsprechersignal wieder in ein Mikrofon.

Studiomonitore sind später besonders für das Mischen interessant. Für die erste Gitarrenaufnahme reichen gute Kopfhörer aus.

Der Signalweg einer Gitarrenaufnahme

Bevor du deine Gitarre aufnehmen kannst, solltest du verstehen, welche Stationen das Signal durchläuft. Wenn du die E-Gitarre direkt über ein Audio Interface aufnimmst, durchläuft das Signal mehrere Stationen:

Gitarre → Instrumenteneingang → Audio Interface → DAW-Spur → Amp-Plugin → Ausgang → Kopfhörer

Jede Station besitzt eine eigene Aufgabe.

Die Gitarre erzeugt das Ausgangssignal

Die Tonabnehmer wandeln die Schwingung der Saiten in ein elektrisches Signal um.

Tonabnehmer, Lautstärkeregler, Anschlagstärke und Spielweise beeinflussen bereits das Signal, bevor es das Audio Interface erreicht.

Das Audio Interface wandelt das Signal

Der Instrumenteneingang nimmt das analoge Gitarrensignal auf. Der Vorverstärker hebt den Pegel an und der Wandler überträgt das Signal in digitale Daten.

An dieser Stelle stellst du den Aufnahmepegel ein.

Die DAW nimmt die Spur auf

In der DAW wird eine Mono-Audiospur angelegt. Dieser Spur weist du den Eingang zu, an dem deine Gitarre angeschlossen ist.

Steckt die Gitarre in Input 1, muss die Spur auch Input 1 empfangen.

Das Amp-Plugin erzeugt den Gitarrensound

Die Amp-Simulation verarbeitet das trockene Signal und erzeugt daraus den Klang eines Verstärkers, einer Box und eines Mikrofons.

Wichtig ist, dass die Lautsprecher- oder Cab-Simulation aktiv ist. Ein virtueller Verstärker ohne passende Boxensimulation klingt meist scharf, dünn und unangenehm.

Der Ausgang gibt das Signal wieder

Das bearbeitete Signal wird über das Audio Interface an deine Kopfhörer oder Studiomonitore ausgegeben.

Wenn an einer dieser Stationen eine falsche Einstellung vorliegt, hörst du möglicherweise keinen Ton oder nur das unbearbeitete Gitarrensignal.

E-Gitarre Schritt für Schritt aufnehmen

1. Gitarre mit dem Audio Interface verbinden

Schließe die Gitarre mit einem Instrumentenkabel an einen geeigneten Eingang des Audio Interfaces an.

Aktiviere am Eingang den Instrumentenmodus beziehungsweise Hi-Z-Modus.

Falls das Interface einen kombinierten Mikrofon-, Line- und Instrumenteneingang besitzt, muss der richtige Betriebsmodus ausgewählt werden.

Ein gut gemeinter Rat: Stimme deine Gitarre unbedingt bevor du etwas aufnimmst. Du hast sie erst gestern gestimmt? Prima, aber stimme sie nochmal. Gehe hier wirklich auf Nummer sicher, denn hinterher lässt sich das nicht mehr korrigieren und spätestens auf der Aufnahme wirst du jede Unsauberkeit in der Intonation hören.

2. Audio Interface in der DAW auswählen

Öffne die Audioeinstellungen deiner DAW und wähle dein Audio Interface als Ein- und Ausgabegerät aus.

Unter Windows wird dafür häufig ein ASIO-Treiber verwendet. Auf dem Mac läuft die Audiokommunikation normalerweise über Core Audio.

Danach sollte die DAW die Ein- und Ausgänge des Interfaces erkennen.

3. Mono-Audiospur anlegen

Eine einzelne E-Gitarre ist eine Mono-Signalquelle. Lege deshalb zunächst eine Mono-Audiospur an.

Wählst du versehentlich eine Stereo-Spur, kann das Signal später nur links oder rechts zu hören sein.

4. Richtigen Eingang auswählen

Weise der Spur den physischen Eingang zu, an dem die Gitarre angeschlossen ist.

Beispiel:

  • Gitarre steckt in Input 1
  • Spur erhält Mono Input 1

Steckt die Gitarre in Input 2, muss entsprechend Input 2 gewählt werden.

5. Spur aufnahmebereit schalten

Aktiviere die Aufnahmebereitschaft der Spur. In vielen DAWs wird dafür ein rotes Aufnahme-Symbol verwendet.

Nun sollte die Pegelanzeige der Spur reagieren, wenn du die Gitarre spielst.

6. Aufnahmepegel einstellen

Spiele so laut und kräftig, wie du später tatsächlich aufnehmen möchtest.

Drehe den Gain-Regler langsam auf und beobachte den Pegel in der DAW.

Das Signal soll deutlich sichtbar sein, darf aber bei harten Anschlägen nicht übersteuern. Eine digitale Aufnahme muss nicht bis kurz vor 0 dBFS ausgesteuert werden.

Eine sinnvolle Sicherheitsreserve verhindert, dass einzelne harte Anschläge Clipping verursachen.

7. Amp-Simulation laden

Füge das Gitarren-Plugin als Insert-Effekt auf der Spur ein.

Wähle zunächst einen einfachen Grundsound. Vermeide es, sofort lange Effektketten oder besonders komplexe Presets zu verwenden.

Prüfe zunächst:

  • Ist ein Verstärkermodell aktiv?
  • Ist eine Lautsprecherbox aktiviert?
  • Ist das virtuelle Mikrofon eingeschaltet?
  • Ist der Ausgangspegel sinnvoll eingestellt?

8. Software Monitoring aktivieren

Aktiviere das Monitoring der Spur, damit du den bearbeiteten Gitarrensound hörst.

Je nach DAW wird dafür ein Lautsprechersymbol verwendet.

Hörst du gleichzeitig das trockene Gitarrensignal und das Amp-Plugin, ist wahrscheinlich zusätzlich Direct Monitoring am Interface aktiviert. In diesem Fall solltest du für diese Aufnahme meist einen der beiden Monitoring-Wege deaktivieren.

9. Aufnahme starten

Aktiviere das Metronom oder einen Drumloop, wenn du zu einem festen Tempo spielen möchtest.

Starte anschließend die Aufnahme und spiele die Passage vollständig ein.

Konzentriere dich zunächst auf Timing und Spielgefühl. Kleinere Klangkorrekturen kannst du danach vornehmen.

Das trockene DI-Signal aufnehmen

Das direkte, unbearbeitete Signal einer E-Gitarre wird häufig als DI-Signal bezeichnet. Wenn du deine Gitarre aufnehmen und den Sound später noch verändern möchtest, ist ein sauberes DI-Signal besonders praktisch.

Wenn du ein Amp-Plugin als Insert-Effekt verwendest, nimmt die DAW normalerweise das trockene Signal auf. Das Plugin wird nur während der Wiedergabe darübergelegt.

Das hat einen großen Vorteil:

Du kannst den Verstärker, die Box, das Mikrofon und die Effekte später verändern, ohne die Gitarre erneut einspielen zu müssen.

So kannst du beispielsweise:

  • einen Clean-Sound später gegen einen Crunch-Sound tauschen
  • unterschiedliche Verstärkermodelle vergleichen
  • die Boxensimulation verändern
  • Effekte nachträglich hinzufügen
  • das Signal später reampen

Das trockene DI-Signal sollte sauber und ohne Übersteuerung aufgenommen werden. Eine verzerrte DI-Aufnahme lässt sich später nicht vollständig reparieren.

Mono oder Stereo bei Gitarrenaufnahmen?

Eine einzelne E-Gitarre wird normalerweise mono aufgenommen.

Die Gitarre liefert über ein einzelnes Instrumentenkabel einen Kanal. Auch wenn das Amp-Plugin später einen räumlichen Stereosound erzeugt, bleibt die ursprüngliche Aufnahme eine Mono-Spur.

Stereo entsteht beispielsweise durch:

  • Stereohall
  • Ping-Pong-Delay
  • Chorus
  • zwei unterschiedliche virtuelle Mikrofone
  • zwei verschiedene Verstärkerpfade
  • ein Stereo-Multieffektgerät

Das bedeutet jedoch nicht, dass jede Gitarrenspur als Stereo-Audiospur aufgenommen werden muss.

Für eine einzelne direkt angeschlossene E-Gitarre gilt meist:

Mono aufnehmen, bei Bedarf stereo bearbeiten.

Latenz beim Spielen mit Amp-Simulation

Bei einer Amp-Simulation muss das Gitarrensignal zunächst in den Computer gelangen, dort verarbeitet und anschließend wieder ausgegeben werden.

Dieser Vorgang benötigt Zeit. Die entstehende Verzögerung wird als Latenz bezeichnet. Wenn du eine Gitarre aufnehmen und gleichzeitig über ein Amp-Plugin spielen möchtest, muss diese Verzögerung möglichst gering bleiben.

Ist die Latenz zu hoch, fühlt es sich an, als würde der Ton deiner Bewegung hinterherlaufen. Dadurch kann das präzise Spielen deutlich schwieriger werden.

Die wichtigste Einstellung ist häufig die Buffer Size.

Eine kleine Buffer Size reduziert die Verzögerung, belastet den Computer aber stärker. Eine größere Buffer Size entlastet den Computer, erhöht allerdings die Latenz.

Für die Aufnahme kannst du beispielsweise zunächst mit einem kleineren Wert arbeiten. Beim späteren Mischen darf der Puffer größer sein.

Weitere Maßnahmen gegen Latenz:

  • richtigen Audiotreiber verwenden
  • nicht benötigte Programme schließen
  • rechenintensive Plugins vorübergehend deaktivieren
  • unnötige Oversampling-Einstellungen reduzieren
  • Audio Interface direkt anschließen
  • vorhandenen Low-Latency-Modus der DAW nutzen

Einen guten Gitarrensound einstellen

Ein guter Gitarrensound entsteht nicht automatisch durch möglichst viel Gain oder ein aufwendiges Preset.

Für den Anfang ist es sinnvoll, den Klang in einer festen Reihenfolge einzustellen.

Zuerst Gain und Verzerrung

Der Gain-Regler bestimmt, wie stark die Vorstufe des virtuellen Verstärkers angesteuert wird.

Mehr Gain erzeugt mehr Verzerrung und Kompression. Gleichzeitig können Anschlagsdynamik, Klarheit und Durchsetzungsfähigkeit verloren gehen.

Gerade bei mehrfach eingespielten Rhythmusgitarren ist häufig weniger Gain notwendig, als man beim Spielen allein vermutet.

Danach die Dreiband-Klangregelung

Bass, Mitten und Höhen beeinflussen sich gegenseitig.

Beginne mit einer neutralen oder mittleren Einstellung und verändere jeweils nur einen Regler. Höre nicht nur darauf, ob der Sound allein beeindruckend klingt, sondern ob er im späteren musikalischen Zusammenhang funktioniert.

Box und Mikrofon beachten

Die Lautsprecherbox und das virtuelle Mikrofon prägen den Gitarrensound mindestens ebenso stark wie der Verstärker.

Ein Wechsel der Box oder eine kleine Veränderung der Mikrofonposition kann den Klang deutlicher verändern als eine feine Korrektur am Equalizer.

Effekte zuletzt hinzufügen

Hall, Delay, Chorus und weitere Effekte können einen guten Grundsound ergänzen.

Sie sollten aber keinen unausgewogenen Verstärkerklang verdecken.

Eine sinnvolle Reihenfolge lautet deshalb:

  1. Eingangssignal
  2. Gain
  3. Klangregelung
  4. Lautsprecherbox
  5. Mikrofon
  6. Effekte
  7. Ausgangspegel

Gitarre doppeln statt kopieren

Breite Rhythmusgitarren entstehen häufig durch sogenanntes Double Tracking.

Dabei wird dieselbe Gitarrenpassage zweimal unabhängig eingespielt. Eine Spur wird nach links und die andere nach rechts im Stereobild verteilt.

Wichtig ist, die erste Aufnahme nicht einfach zu kopieren. Zwei identische Kopien erzeugen keine echte Breite, weil Timing und Klang vollständig gleich sind.

Erst die kleinen natürlichen Unterschiede zwischen zwei Einspielungen erzeugen den breiten Eindruck.

Für überzeugendes Double Tracking sind wichtig:

  • präzises Timing
  • gleichmäßige Anschlagstärke
  • sauber gedämpfte Saiten
  • ähnliche, aber nicht zwingend identische Sounds
  • nicht zu viel Gain

Bei Clean- und Lead-Sounds ist Double Tracking nicht automatisch notwendig. Es ist ein Gestaltungsmittel und keine Pflicht.

Einen echten Gitarrenverstärker aufnehmen

Ein echter Amp wird häufig mit einem dynamischen Mikrofon direkt vor dem Lautsprecher aufgenommen.

Bereits die Position des Mikrofons beeinflusst den Klang stark.

Mikrofon in Richtung Lautsprechermitte

Nahe an der Mitte klingt die Aufnahme häufig heller und direkter.

Mikrofon weiter zum Rand

Am Rand des Lautsprechers wird der Klang meist weicher und dunkler.

Abstand zum Lautsprecher

Ein sehr geringer Abstand liefert einen direkten Sound mit wenig Raumanteil. Mit zunehmendem Abstand wird mehr Raumklang aufgenommen.

Für den Einstieg ist eine Position nahe am Lautsprecher und etwas außerhalb der exakten Mitte ein brauchbarer Startpunkt.

Danach bewegst du das Mikrofon schrittweise und vergleichst die Aufnahmen.

Wichtig: Eine Änderung von wenigen Zentimetern kann bereits deutlich hörbar sein.

Häufige Fehler beim Gitarre aufnehmen

Der Instrumentenmodus ist nicht aktiviert

Die Gitarre steckt im richtigen Eingang, aber das Interface arbeitet im Line-Modus. Dadurch kann das Signal zu leise oder klanglich unpassend sein. Passive Tonabnehmer haben nämlich ein sehr schwaches Signal, das am Eingang des Audio Interfaces verstärkt werden muss. Das macht der Hi-Z / Instrumentenmodus. Bei aktiven Tonabnehmern ist dieser Punkt nicht relevant, da in der Elektronik des Instruments bereits ein Vorverstärker eingebaut ist. Hier kannst du dann auch den Line-Eingang am Interface wählen, bzw. was für deine Ohren besser klingt.

Der falsche Eingang ist in der DAW gewählt

Die Gitarre steckt in Input 1, die Audiospur hört jedoch auf Input 2.

Die Aufnahme ist nur auf einer Seite zu hören

Meist wurde ein Mono-Signal auf einer Stereo-Spur aufgenommen oder der falsche Eingangskanal verwendet.

Das trockene und das bearbeitete Signal sind gleichzeitig hörbar

Direct Monitoring und Software Monitoring sind gleichzeitig aktiv. Lasse vorzugsweise nur das Software Monitoring aktiv, wenn du mit einem Amp-Plugin arbeitest.

Die Verzögerung ist zu groß

Die Buffer Size ist zu hoch oder es sind zu viele rechenintensive Plugins aktiv. Auch andere Programme auf deinem Computer, wie Office-Anwendungen oder Virenscanner, verbrauchen Rechenleistung. Schließe am besten alle Programme, die du für deine Aufnahme nicht benötigst. So sollte genug Leistung verfügbar sein, um die Latenz niedrig zu halten.

Das Signal übersteuert

Der Gain-Regler am Audio Interface oder der Eingangspegel im Plugin ist zu hoch eingestellt.

Der Sound klingt scharf und unangenehm

Möglicherweise fehlt die Lautsprecher- oder Cab-Simulation. Schau in deinem Plugin bzw. in deinem Modeller-Preset, ob Cab-Sim aktiviert ist.

Der Sound rauscht stark

Zu viel Gain, ein schlecht abgeschirmtes Kabel, elektrische Störquellen oder die Tonabnehmer der Gitarre können die Ursache sein. Teste eins nach dem Anderen, um den Fehler zu lokalisieren. Drehe den Gain-Regler am Interface zurück oder schau, ob der Eingangspegel im Plugin versehentlich verstellt und zu hoch ist. Manchmal liegt es ganz banal am USB-Anschluss des Computers, verbinde dein Audio Interface testweise mit einem anderen USB-Anschluss.

Die Aufnahme klingt schlechter als beim Spielen

Möglicherweise ist das Eingangssignal zu hoch, das Preset zu stark bearbeitet oder das Monitoring lauter als die spätere Wiedergabe. Man nimmt seinen Klang während dem Spielen aber auch anders wahr, als wenn man sich hinterher auf das Anhören der Aufnahme konzentriert.

Zu viele Einstellungen werden gleichzeitig verändert

Dadurch ist später kaum nachvollziehbar, welche Änderung den Klang verbessert oder verschlechtert hat.

Verändere deshalb jeweils nur einen Bereich und vergleiche bewusst.


Ein einfacher Workflow für Gitarrenaufnahmen

Ein zuverlässiger Workflow um eine Gitarre aufzunehmen kann beispielsweise so aussehen:

  1. Projekt und Speicherort anlegen
  2. Tempo einstellen
  3. Audio Interface auswählen
  4. Mono-Gitarrenspur erstellen
  5. richtigen Eingang zuweisen
  6. Aufnahmepegel einstellen
  7. Amp-Simulation laden
  8. Monitoring und Latenz prüfen
  9. kurze Testaufnahme erstellen
  10. Hauptaufnahme einspielen
  11. Aufnahme kontrollieren
  12. Projekt speichern und sichern

Diese Reihenfolge verhindert, dass du erst nach einer vollständigen Aufnahme bemerkst, dass der Eingang übersteuert, die Spur falsch geroutet oder das Projekt am falschen Ort gespeichert wurde.

Eine Testaufnahme von wenigen Sekunden spart häufig deutlich mehr Zeit, als sie kostet.


Was ist besser: echter Amp oder Amp-Simulation?

Beide Methoden können sehr gute Ergebnisse liefern.

Eine Amp-Simulation ist besonders praktisch, wenn du:

  • leise aufnehmen möchtest
  • wenig Platz hast
  • Sounds später verändern möchtest
  • schnell zwischen verschiedenen Verstärkern wechseln möchtest
  • jederzeit aufnahmebereit sein willst

Ein echter Gitarrenverstärker ist interessant, wenn du:

  • bereits einen Sound hast, den du genau so aufnehmen möchtest
  • Lautstärke kein Problem ist
  • mit Mikrofonpositionen experimentieren möchtest
  • die direkte Interaktion mit dem Verstärker bevorzugst

Es gibt deshalb keinen grundsätzlichen Sieger.

Der beste Weg ist derjenige, der zu deinem Raum, deinem Equipment und deinem Workflow passt.

Dein nächster Schritt

Du musst nicht sofort alle Methoden ausprobieren.

Beginne mit dem Signalweg, der zu deinem vorhandenen Setup passt.

Gitarre über ein Audio Interface aufnehmen

Lerne, wie Instrumenteneingang, Gain, Monitoring und Ausgänge zusammenarbeiten.

Gitarrensound mit einem Plugin einstellen

Verstehe Gain, Volume, Klangregelung, Boxen und Mikrofone innerhalb einer Amp-Simulation.

Akutes Aufnahmeproblem lösen

Du hörst keinen Ton, deine Gitarre kommt nur links oder das Signal ist stark verzögert?

Häufige Fragen zum Gitarre aufnehmen

Was brauche ich, um eine E-Gitarre am Computer aufzunehmen?

Für eine einfache Gitarrenaufnahme brauchst du eine E-Gitarre, ein Instrumentenkabel, ein Audio Interface, einen Computer, eine DAW und Kopfhörer oder Studiomonitore.

Wenn du keinen echten Gitarrenverstärker aufnehmen möchtest, benötigst du zusätzlich eine Amp-Simulation. Diese bildet Verstärker, Lautsprecherbox und Mikrofon digital nach.

Kann ich meine Gitarre direkt an den Computer anschließen?

Der übliche Weg führt über ein Audio Interface. Die E-Gitarre wird an dessen Instrumenteneingang angeschlossen. Dieser Eingang ist häufig mit „Instrument“, „Inst“, „Hi-Z“ oder einem Gitarrensymbol gekennzeichnet.

Ein direkter Anschluss an den normalen Mikrofon- oder Kopfhörereingang eines Computers ist meistens nicht sinnvoll, weil Pegel und Eingangsimpedanz nicht optimal zur Gitarre passen.

Welchen Eingang muss ich für die E-Gitarre verwenden?

Verwende einen Instrumenteneingang beziehungsweise den Hi-Z-Modus deines Audio Interfaces. Dieser Eingang ist speziell auf passive Gitarren- und Bass-Tonabnehmer abgestimmt.

Ein Line-Eingang ist für Geräte mit höherem Ausgangspegel gedacht. Wird eine passive E-Gitarre an einem ungeeigneten Eingang betrieben, kann sie leise, dünn oder klanglich unausgewogen wirken.

Wird eine einzelne Gitarre mono oder stereo aufgenommen?

Eine einzelne E-Gitarre wird normalerweise mono aufgenommen. Das Instrument liefert über ein einzelnes Kabel nur einen Audiokanal.

Stereo kann später durch Hall, Delay, Chorus, zwei Verstärkerpfade oder andere Effekte entstehen. Für die Aufnahme einer direkt angeschlossenen Gitarre solltest du zunächst eine Mono-Spur mit dem richtigen Eingang wählen.

Warum ist meine Gitarrenaufnahme nur links oder rechts zu hören?

Meist wurde ein Mono-Signal auf einer Stereo-Spur aufgenommen. Die Gitarre steckt beispielsweise in Input 1, während die DAW Input 1 und Input 2 gemeinsam als Stereoeingang verwendet.

Lege stattdessen eine Mono-Audiospur an und weise ihr genau den Eingang zu, an dem deine Gitarre angeschlossen ist.

Warum klingt die direkt aufgenommene E-Gitarre dünn und unangenehm?

Das unbearbeitete DI-Signal einer E-Gitarre klingt von Natur aus trocken und ungewohnt. Es enthält noch nicht den Klang eines Gitarrenverstärkers, einer Lautsprecherbox und eines Mikrofons.

Lade deshalb eine Amp-Simulation auf die Spur. Prüfe außerdem, ob innerhalb des Plugins eine Lautsprecher- beziehungsweise Cab-Simulation aktiviert ist. Fehlt diese, klingt der Sound häufig besonders scharf und dünn.

Was ist ein DI-Signal bei der Gitarrenaufnahme?

Das DI-Signal ist das direkte, unbearbeitete Signal der E-Gitarre. Es wird aufgenommen, bevor ein Verstärker, eine Lautsprecherbox oder Effekte den Klang verändern.

Wird eine Amp-Simulation als Plugin verwendet, speichert die DAW normalerweise dieses trockene Signal. Dadurch kannst du den Gitarrensound später verändern, ohne die Passage erneut einspielen zu müssen.

Wie hoch sollte der Aufnahmepegel einer E-Gitarre sein?

Der Pegel sollte deutlich sichtbar sein, darf aber auch bei harten Anschlägen nicht übersteuern. Eine digitale Aufnahme muss nicht bis kurz vor 0 dBFS ausgesteuert werden.

Spiele beim Einpegeln so kräftig wie während der späteren Aufnahme und lasse ausreichend Sicherheitsreserve. Leuchtet die Clipping-Anzeige des Interfaces oder der DAW rot auf, solltest du den Gain-Regler reduzieren.

Warum höre ich meine Gitarre doppelt?

Wahrscheinlich sind Direct Monitoring am Audio Interface und Software Monitoring in der DAW gleichzeitig aktiviert.

Dadurch hörst du sowohl das direkte trockene Gitarrensignal als auch das leicht verzögerte Signal aus der DAW. Beim Spielen mit einer Amp-Simulation wird normalerweise das Software Monitoring verwendet und das Direct Monitoring deaktiviert.

Wie kann ich die Latenz beim Spielen mit einem Gitarren-Plugin reduzieren?

Verwende den passenden Audiotreiber und stelle während der Aufnahme eine kleinere Buffer Size ein. Dadurch wird das Signal schneller verarbeitet, der Computer aber stärker belastet.

Schließe außerdem unnötige Programme, deaktiviere besonders rechenintensive Plugins und nutze gegebenenfalls den Low-Latency-Modus deiner DAW. Beim späteren Mischen kannst du die Buffer Size wieder erhöhen.

Brauche ich einen echten Gitarrenverstärker für gute Aufnahmen?

Nein. Mit einer guten Amp-Simulation kannst du überzeugende Gitarrensounds vollständig am Computer erzeugen. Diese Methode ist leise, flexibel und besonders für das Homerecording geeignet.

Ein echter Verstärker kann ebenfalls hervorragend klingen. Seine Aufnahme erfordert jedoch meist ein Mikrofon, ausreichend Lautstärke, eine geeignete Umgebung und etwas Erfahrung mit der Mikrofonposition.

Was ist besser: Amp-Simulation oder echter Gitarrenverstärker?

Beide Methoden können sehr gute Ergebnisse liefern. Eine Amp-Simulation bietet besonders viel Flexibilität, weil Verstärker, Boxen, Mikrofone und Effekte nachträglich verändert werden können.

Ein echter Amp ist sinnvoll, wenn du bereits einen Klang besitzt, den du genau so festhalten möchtest. Die bessere Lösung ist daher diejenige, die zu deinem Raum, deinem Equipment und deinem persönlichen Workflow passt.

Warum sollte ich Rhythmusgitarren zweimal einspielen?

Breite Rhythmusgitarren entstehen häufig durch Double Tracking. Dabei wird dieselbe Passage zweimal unabhängig aufgenommen und anschließend eine Spur nach links und die andere nach rechts verteilt.

Eine kopierte Spur erzeugt keine echte Breite, weil beide Signale vollständig identisch sind. Erst die kleinen natürlichen Unterschiede zwischen zwei Einspielungen sorgen für den breiten Gitarrensound.

Warum höre ich trotz Signal am Audio Interface keinen Gitarrensound?

Prüfe zuerst, ob in der DAW das richtige Audio Interface ausgewählt ist. Danach kontrollierst du, ob die Gitarrenspur den richtigen Eingang empfängt und aufnahmebereit geschaltet wurde.

Außerdem müssen das Monitoring der Spur und der richtige Ausgang aktiviert sein. Wenn das Interface ein Signal zeigt, die DAW aber nicht, liegt das Problem häufig bei der Eingangszuweisung, dem Audiotreiber oder dem Software-Routing.